Porträtaufnahme von Dieter Ammann

Dieter Ammann

Biographie

Dieter Ammann wurde 1962 in Aarau geboren. Er wuchs in einem sehr musikalischen Elternhaus auf. Nach der Matura studierte er Schulmusik/Dirigieren (Luzern) und absolvierte parallel dazu eine Ausbildung an der Swiss Jazz School Bern. Die 1980er und frühen 90er-Jahre waren geprägt von europaweiter Konzerttätigkeit und Aufnahmen im Bereich Jazz/improvisierte Musik, mit so unterschiedlichen Künstlern wie Eddie Harris (CD Yeah, you right) oder Udo Lindenberg.

Es folgte ein Studium in Theorie/Komposition an der Musikakademie Basel (Roland Moser, Detlev Müller-Siemens) mit Kursen bei Witold Lutoslawski, Wolfgang Rihm, Dieter Schnebel und Niccolo Castiglioni.
Im Alter von 30 Jahren erfolgte die Hinwendung zur Komposition. Bedingt durch seine skrupulöse, sich langsam vortastende Arbeitsweise kann die Entstehungszeit eines Auftragswerks zwei Jahre und länger betragen. Für seine Kammermusik- und Orchesterwerke erhielt er zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen, darunter Werkbeiträge des Aargauer Kuratoriums, des Kantons Luzern, das Franz Liszt-Stipendium der „Weimar Kulturhauptstadt Europas“-Stiftung, den Hauptpreis der IBLA-Foundation New York (in honor of L. Berio) und des „Young composers in Europe“-Wettbewerbs (Leipzig), den Ernst von Siemens Förderpreis für Komposition oder den Schweizer Musikpreis sowie den AZ-Medienpreis für Kultur.

Masterclasses führten ihn unter anderem an die Hochschulen Köln, Weimar, Karlsruhe, St. Petersburg, New York University, Rosario oder La Plata. Als gefragter Dozent ist er etwa an der Internationalen Impuls Academy Graz oder, zusammen mit Wolfgang Rihm, am Composers Seminar der Lucerne Festival Academy tätig und leitet eine Kompositionsklasse an der Hochschule Luzern-Musik.

Einladungen als Composer-in-Residence erhielt Ammann zu Festivals wie das Davos Festival „Young artists in Concert“, zum Festival Les muséiques, zum Lucerne Festival, zu den Wittener Tage für neue Kammermusik, den Sommerlichen Musiktage Hitzacker, dem ReMusica Festival St. Petersburg, dem Tongyeong International Music Festival oder dem Weywuying Festival.

Unter den Interpreten seiner Werke befinden sich nebst den renommierten Schweizer Orchestern (Tonhalle, Philharmonia Zürich, Luzern, Basel, Bern, Suisse Romande) Klangkörper wie das Boston Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Philharmonia London, Helsinki Philharmonic, Mariinsky Symphony, Münchner Philharmoniker, Wiener Symphoniker, Münchner Kammerorchester, DSO Berlin, WDR, Lucerne Festival Contemporary Orchestra, die Ensembles Intercontemporain, Klangforum Wien, Ensemble Modern Orchestra, Quatuor Diotima, Mondrian Ensemble, ensemble recherche, dirigiert von Pierre Boulez, George Benjamin, Jonathan Nott, Baldur Brönnimann, Sylvain Cambreling, James Gaffigan, Valery Gergiev, Pablo Heras-Casado, Gergely Madaras, Susanna Mälkki, Sakari Oramo, Matthias Pintscher, Emilio Pomarico, David Robertson, Peter Rundel, Michael Sanderling, Alexander Shelley, Markus Stenz, Bas Wigers, Mario Venzago u.v.a.

Seine Solostücke und -konzerte werden von Künstler:innen wie Carolin Widmann, Andreas Haefliger, Michael Barenboim, Tabea Zimmermann, Nils Mönkemeyer, Maximilian Hornung u.a. interpretiert.
Ammanns Werke werden verlegt vom Bärenreiter-Verlag und der Swiss Music Edition SME/musinfo. Neben der Professur in Luzern doziert er an der Hochschule der Künste Bern.

  • 1962am 17. Mai in Aarau geboren
    Erster Klavierunterricht im Vorschulalter, später auf autodidaktischem Weg Trompete. Während des Gymnasiums (nebst Klavier) auch Gitarre.
    ab 1982Studium an der Akademie für Schul- und Kirchenmusik Luzern zur Erlangung der Diplome Schulmusik I und II (Schwerpunktfach: Dirigieren) parallel dazu
    1983-84Jazzschule Bern (allgemeine Abteilung)
    1986Aufenthalt in Berlin als freischaffender Musiker (v.a. improvisierte Musik)
    1988-92Studium für Theorie und Komposition an der Musikakademie Basel
    ab 1991Beginn der Kompositionstätigkeit, Kurse bei W. Rihm, W. Lutoslawski, D. Schnebel, N. Castiglioni
    Förderungspreis des Aargauer Kuratoriums
    1993Werkbeitrag des Aargauer Kuratoriums
    1995Erstpreisträger für die Schweiz am Wettbewerb „Young composers in Europe“, Leipzig (Studienaufenthalt, verbunden mit Präsentationskonzerten im Gewandhaus)
    1996Hauptpreis am „International Competition for Composers“ (in honor of Luciano Berio) der IBLA-Foundation New York
    Werkbeitrag durch Stadt und Kanton Luzern
    Projektbeitrag des Aargauer Kuratoriums
    1997Erster Preis beim internationalen Kompositionswettbewerb „Symposium NRW für Neue Musik“ im Rahmen des Festivals „Niederrheinischer Herbst“
    1998Werkbeitrag des Aargauer Kuratoriums
    Gewinner des Franz Liszt-Stipendiums der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ und der Weimar 1999 Kulturstadt Europa GmbH (6-monatiger Kompositionsaufenthalt mit Konzerten)
    1999Second Level Award beim „International Competition for Composers“ der IBLA-Foundation New York
    2001Werkbeitrag des Aargauer Kuratoriums
    2003Composer-in-residence beim 18. Internationalen Musik Festival Davos (CH)
    Atelieraufenthalt Berlin des Aargauer Kuratoriums
    Werkpreis der Stadt Zofingen
    Anerkennungspreis der M. + C. Dienemann-Stiftung
    2004Werkbeitrag durch Stadt und Kanton Luzern
    2007Werkbeitrag des Aargauer Kuratoriums
    2008Verleihung des Förderpreises für Komposition der Ernst von Siemens Musikstiftung München
    2009Composer in residence beim Festival les muséiques Basel
    2010Composer in residence beim Lucerne Festival
    2013Composer in residence bei den Wittener Tagen für neue Kammermusikund bei den Sommerlichen Musiktagen Hitzacker
    2015Composer in residence beim Festival reMusic in St. Petersburg.
    2016Porträtkonzert beim Philharmonia Orchestra London
  • „Das ist ein ausserordentliches (extraordinaire) Stück Musik ……..“.
    [Probenbesuch von „Gehörte Form – Hommages“)
    Pierre Boulez

    „Achtet man nicht auf einzelne wenn auch noch so gelungene Klangbilder, sondern auf Übergänge, die Kontrastdramaturgie der Abschnittsfolge und vor allem auf grossformale Entwicklungen, erkennt man die Eigenständigkeit dieses Komponisten. Einerseits wirkt die dichte Montage kontrastierender Abschnitte nicht programmmusikalisch konsequent, eben nicht erzählerisch, denn erst durch die Abstraktion auf das musikalisch Strukturelle wird die Form verständlich. Andererseits provozieren die Kontraste der Abschnittsfolge strukturelle Fragen, die man versucht ist, im Rekurs aufs Aussermusikalische assoziativ zu beantworten. Diese Ambivalenz ist für das Formkonzept des Streichtrios substantiell und es ist erstaunlich, wie konsequent Dieter Ammann es verfolgt. Hinzu kommt die ungemein musikantische Ader des Komponisten: Die Partitur ist voller verbaler Spielanweisungen, die verdeutlichen, wofür die Notenschrift zu abstrakt erscheint. Diese Nähe zur ausführenden Handlung ist als notwendiges Komplement spekulativer Abstraktion für einen Komponisten unabdingbar. Geltendes inividuell zu artikulieren, bedeutet Neues schaffen. Diese Haltung, die auch provokante Innovation einschliessen kann, erscheint mir bei einem jungen Komponisten, dem im heutigen Konzertbetrieb vor allem eine durch Differenz profilierte Identität seiner Schreibweise abverlangt wird, selten und wertvoll.“
    Hanspeter Kyburz

    stimmen
    „Keine Sekunde Leerlauf, alles lebendig und im schönsten Sinne durchwachsen von Kraftlinien, die auch dann kräftig bleiben und ununterbrochen, wenn sie in widersprüchliche Richtungen zielen. Deine kompositorische Integrationsfähigkeit lässt den Faden nie reissen und zwingt die Ambivalenzen in einen Strom, ohne dass sie verloren gehen!
    Energien, auch die gegenstrebigen, werden in Deiner Musik ausgehalten, sie verschwinden nicht in Redundanzen. Alles ist so frisch!…..“
    Wolfgang Rihm

    „Von der improvisierten Musik herkommend, erreicht Ammann nach seriellen Anfängen einen freieren, intuitiveren Personalstil in einer energetisch und emotional ‚geladenen‘ Tonsprache.“

    „…die Behandlung der Parameter steht dabei immer im Dienst des unmittelbaren, fast physischen Ausdrucks.“
    Urs Mattenberger

Aufführungen

Komponist VornameKomponist NachnameTitelDatumOrchesterDirigentOrtInfo
AntonBruckner8. Symphonie 24.04.2026National Philharmonic OrchestraCornelius MeisterWarschau (Philharmonie)
ThomasAdèsViolin Concerto24.04.2026Ilya Gringolts (Violine), Staatsorchester Rheinische PhilharmonieAnu TaliKoblenz (Rhein-Mosel-Halle)
Wolfgang AmadeusMozartDer Messias 24.04.2026MDR-Sinfonieorchester & RundfunkchorDennis Russell DaviesErfurt (Theater)
BeatFurrerPiano Concerto No. 224.04.2026Francesco Piemontesi (Klavier), Symphonieorchester des Bayerischen RundfunksEnno PoppeMünchen (Residenz)
Wolfgang AmadeusMozartCosì fan tutte24.04.2026Emily Senturia, Regie: Haley StamatsMadison (Overture Hall)Premiere
AntonBruckner2. Symphonie25.04.2026Dresdner PhilharmonieChristoph EschenbachDresden (Kulturpalast)
CharlotteSeitherEchoes of O’s25.04.2026Ensemble Lux NMWiesbaden (Art.Ist-Galerie)
AntonBruckner8. Symphonie26.04.2026Orchester des Staatstheaters DarmstadtMarc AlbrechtDarmstadt
ClaudioMonteverdiL’incoronazione di Poppea26.04.2026Lars Ulrik Mortensen, Regie: Christoph MarthalerKopenhagen (Det Kongelige Teater)Premiere
Wolfgang AmadeusMozartLa clemenza di Tito 26.04.2026Marc Minkowski, Regie: Damiano MichielettoZürichPremiere
SalvatoreSciarrinoLa navigazione notturna28.04.2026Marino Formenti, Alfredo Ovalles, Luca Lavuri, N.N. (Klavier)Wien (Musikverein)
Beat FurrerStudie IV für Klavier solo 28.04.2026Filippo Gorini (Klavier)Mailand (Teatro alla Scala)Italienische Erstaufführung
AntonBruckner7. Symphonie 29.04.2026Duisburger PhilharmonikerStefan BlunierDuisburg (Philharmonie Mercatorhalle)
HectorBerliozMesse solennelle29.04.2026Bach-Verein Köln, GürzenichorchesterChristoph SiebertKöln (Philharmonie)
HectorBerliozCléopâtre30.04.2026Antoniette Dennefeld (Sopran), Orchestra di Padova e del VenetoPierre DumoussaudPadova (Auditorium Pollini)
Andreas N.TarkmannWesendonck-Lieder 30.04.2026Alicja Bukowska (Mezzosopran), Elbland Philharmonie SachsenHermes HelfrichtPirna (Marienkirche)
GeorgesBizetCarmen01.05.2026Lorenzo Passerini, Regie: Nadja LoschkyDresdenPremiere
Wolfgang AmadeusMozartCosì fan tutte02.05.2026Yi-Chen Lin, Regie: Barbara-David BrüeschSt. GallenPremiere
ClaudioMonteverdiL'Orfeo02.05.2026Jörg Halubek, Regie: Markus BotheSchwetzingen (Schwetzinger SWR Festspiele, Schlosstheater)Premiere
CharlotteSeitherkoy für Bass-Stimme solo03.05.2026Martin Wistinghausen (Stimme) Bethel (Zionskirche)
FrankMartin Messe für zwei vierstimmige Chöre a cappella03.05.2026Amor Artis Chamber ChoirRyan James BrandauNew York (St. Patrick’s Old Cathedral)
AntonBruckner7. Symphonie 05.05.2026Wiener SymphonikerMarie JacquotWien (Konzerthaus)
Christoph WillibaldGluckOrphée et Euridice05.05.2026Edward Ananian Cooper, Regie: Pierre-André WeitzLimogesPremiere
Ludwig vanBeethovenMusik zu Goethes Trauerspiel Egmont07.05.2026Essener PhilharmonikerDirk KaftanEssen (Alfried Krupp Saal)
Christoph WillibaldGluckParide ed Helena07.05.2026Akademie für Alte MusikMichael HofstetterAugsburg (Internationale Gluck-Opern-Festspiele)konzertant, 9.5. Bayreuth, 10.5. Fürth
FrancescoFilideiFinito ogni gesto, Esercizio di pazzia I08.05.2026ensemble XXI. jahrhundertPeter BurwikWien (Musikverein)
Wolfgang AmadeusMozartLe nozze di Figaro 08.05.2026Francesco Corti, Regie: Kirill Serebrennikov Amsterdam (Stichting Nationale Opera & Ballet)Premiere
CharlotteSeithersaphir und haut Nr. 3 für Sopran und Inside Piano08.05.2026Lisa-Maria Lebitschnis (Sopran), Amelie Warner (Klavier) Augsburg (Staatliches Textilmuseum)
Peter I.TschaikowskySchwanensee08.05.2026Svetoslav Borisov, Choreographie: Stefano GiannettiDessauPremiere
AntonBruckner4. Symphonie 09.05.2026Tonhalle OrchesterPaavo JärviZürich (Tonhalle)
Wolfgang AmadeusMozartDie Zauberflöte 09.05.2026Riccardo Bisatti, Regie: Suzanne Andrade, Barrie KoskyLillePremiere
Wolfgang AmadeusMozartIdomeneo 09.05.2026Julia Jones, Regie: Robert CarsenKopenhagen (Det Kongelige Teater)Premiere
FrankMartin Messe für zwei vierstimmige Chöre a cappella09.05.2026Ottawa Bach ChoirLisette CantonOttawa (Knox Presbyterian Church)
Wolfgang AmadeusMozartDie Zauberflöte 09.05.2026Johannes Klumpp, Regie: Nora KrahlGelsenkirchenPremiere
ErnstKrenekFlötenstück neunphasig, für Flöte und Klavier 10.05.2026œnm . œsterreichisches ensemble fuer neue musikRupert HuberSalzburg (Schloss Frohnburg)
BedrichSmetanaMein Vaterland 10.05.2026MDR-SinfonieorchesterAlena HronLeipzig (Gewandhaus)
Andreas N.TarkmannDas kalte Herz10.05.2026Kammerorchester MetzingenOliver BenschMetzingen (Stadthalle)
HectorBerliozLa damnation de Faust10.05.2026Orchester Opernhaus ZürichYves AbelZürichkonzertant
CamilleSaint-SaënsSamson et Dalila13.05.2026Alexander Soddy, Regie: Richard JonesLondon (Royal Opera House)
Wolfgang AmadeusMozartCosì fan tutte15.05.2026Andreas Spering, Regie: Wolfgang BertholdBrandenburg
AntonBruckner5. Symphonie15.05.2026Rotterdams Philharmonisch OrkestJukka-Pekka SarasteRotterdam (de Doelen)
Georg FriedrichHändelDeidamia 15.05.2026George Petrou, Regie: George PetrouGöttingen (Internationale Händel-Festspiele, Deutsches Theater)Premiere
CharlotteSeitherMonad’s face für Sopran, Bassklarinette und Violoncello16.05.2026Sara Wiljaars (Sopran), N.N. (Bassklarinette), N.N. (Violoncello)Berlin (Hochschule für Musik Hanns Eisler)
BeatFurrerLa bianca notte17.05.2026Klangforum WienKatowice (Katowice Culture Nature Festival, NOSPR Concert Hall)
EmmanuelChabrierL’Etoile17.05.2026Nicolas Kruger, Regie: Matthew EberhardtEindhoven (Parktheater)Premiere
Winfried Zillig: Rosse /Ruggero Leoncavallo: Pagliacci17.05.2026Mark Rohde, Regie: Roman HovenbitzerWürzburg (Theaterfabrik Blaue Halle)Premiere
GeorgesBizetLe Docteur Miracle17.05.2026Anton Legkii, Regie: Claudia PlaßwichMannheimPremiere
CharlotteSeitherkoy für Bass-Stimme solo18.05.2026Martin Wistinghausen (Stimme) Cluj-Napoca (Academia Nationala de Muzica Gheorge Dirna)
JulesMassenetWerther20.05.2026Lorenzo Passerini, Regie: Willy DeckerNeapelPremiere
SalvatoreSciarrinoTre duetti con l´eco21.05.2026Ensemble AventureFreiburg (Elisabeth Schneider Stiftung)weitere Termine
Andreas N.TarkmannDie drei kleinen Schweinchen21.05.2026Staatsorchester DarmstadtDarmstadtauch 22./23.5.
HectorBerliozLélio ou Le retour à la vie22.05.2026Helsingborg Symphony OrchestraMaxime PascalHelsingborg (Konserthus)
Wolfgang AmadeusMozartLe nozze di Figaro 22.05.2026Vinicius Kattah, Regie: Jiri HermanBratislava (Nationaltheater)Premiere
Jean-PhilippeRameauLes Boréades22.05.2026a nocte temporisReinoud Van MechelenDortmund (Orchesterzentrum)weitere Termine
ThomasAdèsLieux retrouvés22.05.2026RSO WienThomas AdèsWien (Musikverein)
HectorBerliozHarold en Italie22.05.2026Fort Worth Symphony OrchestraRobert SpanoFort Worth (Bass Performance Hall)
Wolfgang AmadeusMozartCosì fan tutte22.05.2026Dietger Holm, Regie: Magdalena FuchsbergerHeidelbergPremiere
HectorBerliozGrande messe des morts22.05.2026Orchestre et chœur Opéra National de ParisPhilippe JordanParis (Philharmonie)
Wolfgang AmadeusMozartDie Entführung aus dem Serail 24.05.2026Zsolt Jankó, Regie: Miklós H. VecseiBudapestPremiere
Wolfgang AmadeusMozartDon Giovanni 24.05.2026Benjamin Bayl, Regie: Agnès JaouiMontpellierPremiere
AntonBruckner4. Symphonie 24.05.2026Bamberger SymphonikerJakub HrusaBamberg (Kirche St. Michael)
FrankMartin Messe für zwei vierstimmige Chöre a cappella24.05.2026La Maitrise de ToulouseMark OpstadGramat (Église Saint-Pierre)
Wolfgang AmadeusMozartMesse in c-Moll25.05.2026Vlaams Radiokoor, Orkest van de Achttiende eeuwBart van ReynBreda (Chasse Theater)weitere Termine
HectorBerliozLa damnation de Faust25.05.2026Prague Symphony OrchestraTomás NetopilPrag (Festival Prager Frühling, Obecní dum)
AntonBruckner4. Symphonie 28.05.2026Orchestra del Maggio Musicale FiorentinoPhilippe JordanFlorenz (Teatro del Maggio)
GeorgesBizetCarmen29.05.2026Keren Kagarlitsky, Regie: Wim VandekeybusAntwerpenPremiere
Wolfgang AmadeusMozartDon Giovanni29.05.2026Elena Salvatierra, Regie: Marta EguiliorCadiz (Teatro Villamarta)Premiere
FrankMartin Messe für zwei vierstimmige Chöre a cappella30.05.2026Vocal ensembles ardent and suppléments musicauxPatrick Secchiari, Moritz AchermannBern (Église francaise)auch 31.5.
AntonBruckner6. Symphonie31.05.2026Deutsches Symphonie-Orchester BerlinTomas HanusPrag (Gemeindehaus)
BedrichSmetanaMein Vaterland 31.05.2026Chor des Theater Lübeck, Philharmonisches Orchester Hansestadt LübeckStefan VladarLübeck (Musik- und Kongresshalle)
GeorgesBizetCarmen31.05.2026Leo McFall, Regie: Uwe Eric LaufenbergWiesbaden (Maifestspiele)Premiere
BohuslavMartinuZweimal Alexander02.06.2026Irene Delgado-Jiménez, Regie: Anna BernreitnerWien (Theater an der Wien)Premiere
FrankMartin Messe für zwei vierstimmige Chöre a cappella02.06.2026BBC Singer, Maîtrise de Notre-DameSofi Jeannin, Henri ChaletParis (Notre Dame)
Wolfgang AmadeusMozartDie Entführung aus dem Serail 03.06.2026Laurence Equilbey, Regie: Florent SiaudParis (Théâtre des Champs-Elysées)Premiere
Andreas N.TarkmannDer Mistkäfer05.06.2026Johannes Merz (Erzähler), Kammerphilharmonie LübeckEmanuel DantscherLübeck (Kolosseum)
Georg FriedrichHändelRinaldo05.06.2026Michael Hofstetter, Regie: Walter SutcliffeHalle (Händel-Festspiele, Oper)Premiere
Jirí Antonín (Georg Anton)BendaMedea 06.06.2026Doerthe Maria Sandmann (Sprecherin), Barockorchester der Thüringen Philharmonie GothaAlexej BarchevitchEisenach (Landestheater)
Wolfgang AmadeusMozartMesse in c-Moll09.06.2026Chœur de l’Opéra de Tours, Orchestre symphonique Région Centre-Val de Loire/ToursDavid JacksonTours (Grand Théatre)
Wolfgang AmadeusMozartLa clemenza di Tito09.06.2026Les Talens LyriquesChristophe RoussetHampshire (The Grange Festival) konzertant, auch 12.6. Würzburg
Georg FriedrichHändelAgrippina 10.06.2026Laurence Cummings, Regie: Walter SutcliffeHalle (Händel-Festspiele, Oper)
Wolfgang AmadeusMozartDon Giovanni 12.06.2026Orquestra de ValenciaFrancesco Corti, Regie: Benoît De LeersnyderValenciaPremiere
Wolfgang AmadeusMozartLa clemenza di Tito 12.06.2026Les Talens LyriquesChristophe RoussetWürzburg (Kaisersaal)
Georg FriedrichHändelAci, Galatea e Polifemo12.06.2026Kammerorchester BaselRené JacobsHalle (Marktkirche) weitere Termine
Georg FriedrichHändelAgrippina 12.06.2026David Bates, Regie: Robert CarsenRouenPremiere
AndersHillborgSound Atlas12.06.2026NDR Elbphilharmonie OrchesterRyan BancroftLübeck (Musik- und Kongresshalle)weitere Termine
Georg FriedrichHändelAlcina12.06.2026Claudio Novati, Regie: Felix SchrödingerDetmold Premiere
CharlotteSeitherTell it or shout für Flöte und Harfe12.06.2026Elizaveta Birjukova, Flöte, Christina Engelke (Harfe)Jena (Künstlerische Abendschule)
BohuslavMartinuFeldmesse13.06.2026Münchner PhilharmonikerJakub HrusaMünchen (Isarphilharmonie)
Georg FriedrichHändelIl trionfo del Tempo e del Disinganno13.06.2026Simone De Felice, Regie: Katharina KasteningFrankfurt (Bockenheimer Depot)Premiere
JindrichFeldKonzert für Flöte und Orchester15.06.2026Daniela Koch (Flöte), Bamberger SymphonikerJakub HrusaBamberg (Konzerthalle)
Wolfgang AmadeusMozartCosì fan tutte17.06.2026Leo Mc Fall, Regie: Marie-Ève SigneyroleWiesbadenPremiere
AntonBruckner7. Symphonie 18.06.2026KonzerthausorchesterIvan FischerBerlin (Konzerthaus)
Wolfgang AmadeusMozartDie Zauberflöte 18.06.2026Janis Liepins, Regie: Cordula Däuper MannheimPremiere
Pietro Mascagni /Ruggero LeoncavalloCavalleria Rusticana/Pagliacci19.06.2026Gábor Hontvári, Regie: Benjamin PrinsSondershausen (Schloss)Premiere
BeatFurrerLitanei für Sopran, Bassklarinette und Streichquartett (UA)/canti della tenebra. Fünf Lieder für Mezzosopran und Klavier19.06.2026Cantando AdmontDundalk (St Nicholas’ Church of Ireland)
AntonínDvorákRusalka19.06.2026Royal Liverpool Philharmonic OrchestraDomingo HindoyanLiverpool (Philharmonic Hall)konzertant
BeatFurrerin mia vita da vuolp für Bariton-Saxophon und Sopran/Lotófagos für Sopran und Kontrabass/Prophezeiungen für Alt, Kontrabassklarinette und Akkordeon 20.06.2026Cantando AdmontDundalk (St Vincent’s Chapel)
Georg FriedrichHändelSusanna21.06.2026Collegium 1704 Václav LuksLitomysl (Schlosshof)
Wolfgang AmadeusMozartIdomeneo 21.06.2026Chelsea Opera GroupPaul WingfieldLondon (Cadogan Hall)konzertant
ThomasAdèsKlavierkonzert24.06.2026Kirill Gerstein (Klavier), Tonhalle OrchesterThomas AdèsZürich (Tonhalle)
FrankMartin Messe für zwei vierstimmige Chöre a cappella26.06.2026Rias KammerchorPeter DijkstraBerlin (Philharmonie)
Peter I.TschaikowskyEugen Onegin26.06.2026Lidiya Yankovskaya, Regie: Max Webster Hampshire (The Grange Festival) Premiere
Wolfgang AmadeusMozartDie Entführung aus dem Serail 27.06.2026Thomas Guggeis, Regie: Andrea MosesBerlin (Staatsoper Unter den Linden)Premiere
Wolfgang AmadeusMozartDie Zauberflöte 02.07.2026Leonardo Garcia Alarcon, Regie: Clément CogitoreAix-en-Provence (Festival)Premiere
Georg FriedrichHändelAriodante04.07.2026Les Talens LyriquesChristophe RoussetBeaune (Festival Baroque, Hotel-Dieu)
Wolfgang AmadeusMozartIdomeneo 04.07.2026Felix Pätzold, Regie: Immo KaramanKielPremiere
GeorgeBenjaminThree Consorts 05.07.2026Deutsches Symphonie-Orchester BerlinKent NaganoKlütz (Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, Schloss Bothmer)weitere Termine
JosephHaydnDie Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz05.07.2026Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-PfalzMichael FrancisSpeyer (Gedächtniskirche)
GiselherKlebeMignon07.07.2026Detmolder KammerorchesterStanley DoddsDetmold (Hochschule für Musik)
HectorBerliozHarold en Italie16.07.2026Schleswig-Holstein Festival OrchestraAndrew ManzeElmshorn (Stiftung Schleswig-Holstein Musik Festival)weitere Termine
PhilippMaintzjag die hunde zurück!20.07.2026Accademia Musicale ChigianaLorenzo DonatiSiena (Chiesa della Ss. Annunziata)
Antonín DvorákRusalka23.07.2026Petr Popelka, Regie: Martin Kusej München (Münchner Opernfestspiele)
Georges BizetCarmen, Fassung 187425.07.2026Fabio Luisi, Regie: Denis KriefMartina Franca (Festival della Valle d’Itria)Szenische Erstaufführung
JulesMassenetWerther29.07.2026Orchestre Symphonique de la MonnaieAlain AltinogluSalzburg (Salzburger Festspiele)
DieterAmmannViola Concerto „No templates“31.07.2026Studierende der OrchesterakademieLü JiaLugano (Palazzo dei Congressi)
Wolfgang AmadeusMozartDie Entführung aus dem Serail31.07.2026Evan Rogister, Regie: David McVicarGlyndebourne (Opera Festival)Premiere
L'ubicaCekovskaMaison de la musique en sept périodes01.08.2026Japan Century Symphony OrchestraAndreas OttensamerOsaka
JosephHaydnDie Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz06.08.2026Le Concert d’AstréeEmmanuelle HaimSalzburg (Salzburger Festspiele)
Wolfgang AmadeusMozartCosì fan tutte06.08.2026Joana Mallwitz, Regie: Christof LoySalzburg (Salzburger Festspiele)Premiere
Andreas N.TarkmannKönig Karotte09.08.2026Mattias Straub (Erzähler), Orchester der Sommeroperette HeldrittManuel Grund Bad Rodach (Waldbühne Heldritt)
HectorBerliozGrande messe des morts15.08.2026London Symphony Chorus and OrchestraAntonio PappanoLondon (Proms, Royal Albert Hall)
JosephHaydnOrlando Paladino28.08.2026Orfeo OrchestraGyörgy VashegyiFertöd (Haydneum Concerts at Esterházy Palace)
JulesMassenetWerther11.09.2026Marie Jacquot, Regie: Tatjana GürbacaKopenhagenPremiere
Andreas N.TarkmannDie verlorene Melodie 12.09.2026Staatskapelle WeimarWeimar (Theaterfest)
AntonBruckner8. Symphonie in c-Moll17.09.2026GewandhausorchesterHerbert BlomstedtLeipzig (Gewandhaus)
AmbroiseThomasHamlet18.09.2026Michael Schönwandt, Regie: Krzysztof WarlikowskiParis (Opéra National)Premiere
Wolfgang AmadeusMozartMitridate, re di Ponto 24.09.2026Riccardo Frizza, Regie: Claus GuthNeapelPremiere
FromentalHalévyLa Juive03.10.2026Felix Bender, Regie: Marco StormanUlmPremiere
Georg FriedrichHändelAlcina09.10.2026Orchestra del Teatro di San CarloIván López-ReynosoNeapel (Teatro di San Carlo)konzertant
CharlesGounodFaust20.10.2026Daniele Rustioni, Regie: Johannes ErathMailand (Teatro alla Scala)Premiere
Georg FriedrichHändelSemele 23.10.2026Orchestra e Coro del Teatro Comunale di Bologna Rinaldo AlessandriniBologna (Teatro Comunale)konzertant
DieterAmmannglut06.11.2026hr-SinfonieorchesterMichael WendebergFrankfurt (hr-Sendesaal)
BeatFurrerNeues Werk für Orchester07.11.2026Kammerorchester BaselPierre BleuseBasel (Stadtcasino)Uraufführung
CamilleSaint-SaënsSamson et Dalila13.11.2026Orchestra e Coro del Teatro Comunale di Bologna Roberto AbbadoBologna (Teatro Comunale)konzertant
Andreas N.TarkmannNils Holgersson06.12.2026Erik Brünner (Sprecher), Jugendsinfonieorchester Heinrich-Schütz-Konservatorium, Dresdner PhilharmonieMilko KerstenDresden (Kulturpalast)auch 7.12.
HectorBerliozLa damnation de Faust17.12.2026Bertrand de Billy, Regie: Lydia SteierWien (Staatsoper)Premiere
JulesMassenetThaïs18.12.2026Pierre Dumoussaud, Regie: Olivier Lepelletier-LeedsLiègePremiere

Werke


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    In Vorbereitung / Auf Anfrage

    Streichquartett Nr. 2 „Distanzenquartett“
    (2009). BA 11047. 15 Minuten, in Vorbereitung
    Uraufführung 23. April 2009, Basel: Amar Quartett

  • Weitere Werke werden von der Schweizer Musikedition / Edition suisse musicale vertrieben
    www.musicedition.ch

    Under Pressure (1996/97) 16′
    für Tenorsaxophon und Orchester (3 (1. auch Picc), 3, Engl-Hn, 3 (1. auch B-Klar), 2, Co-Fag – 4,3,2, B-Pos, 0 – Schlgz(2-3) – Hfe – min: 8,6,4,4,2)

    Musica Empirica (1997/98) 9′
    für Sopransaxophon und Gitarre

    Gehörte Form – Hommages (1998) 18′
    für Violine, Bratsche und Violoncello

    Grooves- fitting one (2000) 15′
    für Kammerorchester (1 (Picc),2,0,2 (Co-Fag) – 2,0,0,0 – Schlgz (1-2) – 6,5,4,4,2)

    A (tenir) tension (2002/03) 11’30
    Trio für Flöte, Marimbaphon, Vibraphon und Perkussionsinstrumente

    Geborstener Satz (2003) 12’30
    für Streichquartett

    d’accord(s) (2004) 7’30
    für 2 Altsaxophone

    Eine Minute für zwei Fanfaren (2004) 1’30
    für Horn in F

    Après le silence (2005) 18′
    für Violine, Violoncello und Klavier

    stellen (2008) 10’30
    für 14 Streicher (8,3,2,1)

    Venite a dire / Raummusik (2010) 14′
    2 Madrigale
    für 12 Solostimmen (3S, 3A, 3T, 3B)

Interview


Das Ringen um Freiheit

Der Schweizer Komponist Dieter Ammann

takte: Herr Ammann, was sind die wichtigsten Kompositionen Ihrer bisherigen Zeit als Komponist? Gab es Etappen oder Zäsuren?

Ammann: Ich muss vorausschicken, dass es mir wichtig ist, einen Personalstil zu formen, natürlich nicht, um sich dann selber zu kopieren, sondern um damit einen Weg in eine selbst gewählte Richtung zu gehen. Es gibt einige Zäsuren: Die eine war nach den ersten beiden Stücken, die noch von seriellem Denken geprägt waren, „Developments“ (1993) und „piece for cello“ (1994/1998). Bei dem Cellostück sind die Tonhöhen noch sehr streng behandelt, rhythmisch und klangfarblich bin ich jedoch schon intuitiv vorgegangen. Und auch „Regard sur les traditions“ (1995) ist im Tonhöhenbereich recht erklärbar. Danach wird es immer intuitiver. In „The Freedom of Speech“ (1995/96) ist diese Freiheit bereits Programm, obwohl der Titel auch mit dem Tod meines Vaters zu tun hat. Hier habe ich zum ersten Mal den bisweilen mühsamen Weg gewählt, einen Anfang zu setzen und daraus das Folgende zu entwickeln.

Dann gibt es für mich Stücke, wo ich persönlich weitergekommen bin: Zunächst „Gehörte Form – Hommages“ (1998). Ich hatte sieben Monate Zeit, in Weimar daran zu arbeiten, das hat sich in den zeitlichen Dimensionen und der klanglichen Elaborierung dieser drei Streichinstrumente niedergeschlagen. Nächste Schritte sind wenig später „Violation“ (1998/99), wo die Beziehung zwischen Soloinstrumenten und Ensemble thematisiert wird. Dann kommen drei Orchesterstücke: bei „Boost“ (2000/01) habe ich eindeutig auf „Grooves“ (2000) Bezug genommen, und bei „Core“ (2002) nochmals auf „Boost“. Schließlich habe ich beim Klaviertrio „Après le silence“ (2004/05) in der Ausdrucksbreite noch auf größere Extreme hin gearbeitet. Diese Extreme dann unter einen Bogen zu bringen, ohne dass die Musik zerfällt, war für mich ein Schritt nach vorne.

Sie haben Begriffe benutzt wie Szenenwechsel, also theatralische Beschreibungen Ihrer Musik. Viele Komponisten nehmen literarische Werke zur Inspiration oder Werke der bildenden Kunst zur Anregung für die Struktur oder emotionale Themen. Haben Sie solche Interessen?

Musik ist für mich genau das Medium, das eben keine Inhalte außer sich selbst transportieren muss. Ich gehe daher nicht von solchen Anregungen aus. Was ich versuche, ist, meine akustische Vorstellung in eine auch für andere sinnvolle oder zumindest anregende Form zu bringen. Das sind immer rein akustische Wahrnehmungen, immanent musikalische Vorgänge.

Sie bilden in Ihrer Musik häufig extreme Spannungskontraste aus, stellen also Strukturen gegeneinander, die ein schnelles Wechselspiel etwa zwischen sehr energetischen, bewegten und sehr ruhigen Zonen ausprägen, und diese bilden sich jeweils aus äußerst komplex geschichteten Einzelereignissen.

Das hängt mit meiner persönlichen Vorliebe beim Gestalten von musikalischen Verläufen zusammen. Ich bin ein ungeduldiger Mensch und mag es, wenn ich überrascht werde, wenn ich als Hörer in ein Wechselbad von musikalischen Zuständen geworfen und mitgerissen werde. Mir ist Musik, die mich quasi „anspringt”, lieber als solche, bei der ich erst siebzehn Türen öffnen muss, bevor ich herausfinde, was die Substanz sein könnte, worauf es dem Komponisten ankommt. Das heißt, wenn ich schreibe, dann immer auch für mich als Hörer, das ist natürlich ein subjektives Verfahren. Jedenfalls hat diese Neugier und Ungeduld dazu geführt, dass ich, außer in zwei frühen Stücken, aufgehört habe, in langen Verläufen mit einem Material zu arbeiten und dieses in all seinen Facetten zu beleuchten. Vielmehr ist es so, dass gewisse Regeln, die ich mir gebe, bisweilen auch nur ganz punktuell wirken. Wenn ich merke, dass ich gerne einen anderen Hörverlauf hätte, nehme ich mir die Freiheit und modifiziere oder verlasse das Material. Das war einerseits eine Befreiung, andererseits kann man sich nicht hinter der akademischen Kunst der Materialbehandlung und Beleuchtung verstecken, weil man völlig subjektiv für sich entscheiden muss, ob diese Idee, diese Klangfindung standhält und sich legitimiert. Das sind extrem subjektiv gefundene Klangvorstellungen, die ich dann versuche, in einem dieser Vorstellung möglichst adäquatem Material wiederzugeben. Deshalb gibt es auch tonale Gebilde bei mir, manchmal Räume, in denen Dissonanz und Konsonanz unterscheidbar sind, dann aber auch wieder das chromatische Total bis in die Vierteltönigkeit hinein, die ich dann als nochmalige Differenzierung der Chromatik verstehe. Ich finde es spannend, etwas Direktes, Haptisches zu gestalten und trotzdem musikalische Tiefe im räumlichen Sinn zu schaffen, so dass man bei einem wiederholten Hören Dinge dahinter wahrnehmen kann, die einem beim ersten Mal gar nicht bewusst waren.

Dieter Ammann während eines Interviews 2022

Sie werden wahrscheinlich oft auf den Jazz angesprochen. Es ist klar, dass Improvisieren etwas anderes ist als Komponieren. Trotzdem wird es ja Bezüge geben.

Über meinen Vater, der Naturwissenschaftler und Lehrer war, ging mein Zugang zur Musik zunächst über das Spielen nach Gehör. Auch heute noch ist für mich die Notation immer ein Umweg. Ich denke, ich habe ein anderes Verhältnis zu rhythmischen Aspekten. Es gab und gibt viel neue Musik, in der es nie pulsen darf. Ich weiß nicht mehr genau, von welchem Komponisten der Ausspruch stammt, das Problem der neuen Musik sei, dass alles Rubato sei. Zudem spürt man meinen Ursprung als interpretierender Musiker in der Instrumentalbehandlung. Mir ist wichtig, dass spieltechnisch zwar Grenzen ausgelotet werden, dass die Musik aber immer realisierbar bleibt. Dabei habe ich gemerkt, dass sich meine Intention mit den technischen Möglichkeiten des Instruments sehr oft trifft, dass ich irgendwie aus dem Instrument heraus fühle und denke. Ein Wesenszug aus der improvisierten Musik ist auch, dass sie fast in jedem Moment dialogisch angelegt ist. Dieses Actio-reactio-Prinzip versuche ich auch in der komponierten Musik zwischen Instrumentalgruppen oder einzelnen Instrumenten zu realisieren, vielleicht wirkt es auch deshalb so lebendig.

Schließlich eine ganz allgemeine Frage: Müssen Sie komponieren?

Ich habe ja tatsächlich wegen einer Anfrage von außen begonnen zu komponieren. Ich würde niemals ohne Auftrag schreiben. Aber: Wenn ich komponiere, bin ich so damit beschäftigt, dass über Monate ein Stück wie ein roter Faden durch mein Leben läuft. Es kann sein, dass ich mich ein Jahr lang mit fünfzehn Minuten Musik beschäftige. Ich bin auch ein Familienmensch, liebe meine Kinder und meine Frau sehr, und unterrichte gerne. Aber wenn ich komponiere, kann ich mich monatelang in eine Klangwelt begeben, und das brauche ich mittlerweile extrem. Es kommt noch etwas hinzu: Ich habe das Gefühl, dass ich in der komponierten Musik etwas zu sagen habe, das andere nicht oder anders sagen würden. Ich glaube, dass ich da etwas leisten kann, wofür sich eine lebenslange Beschäftigung lohnt. Ich war ja, bis ich dreißig war, nicht Komponist im engeren Sinn, sondern Interpret, Instrumentalist. Natürlich habe ich in Bands Stücke entwickelt, aber das ist etwas ganz anderes als das „akademische Komponieren”. Hier gibt es etwas Eigenständiges, das wirklich etwas von mir enthält, etwas Persönliches.

Ein kurzer Ausblick: Was sind Ihre nächsten Projekte?

Ich werde in den nächsten Monaten mit der Komposition meines zweiten Streichquartetts beschäftigt sein. Daneben wird meine Unterrichtstätigkeit an den Musikhochschulen Luzern und Bern viel Zeit und Energie absorbieren. Im Frühling 2009 werde ich einer Einladung Schweizer Festivals „les muséiques” als Composer in residence nachkommen und mich dort auch als Musiker im Freefunk-Bereich präsentieren. Für 2010 steht eine weitere Einladung eines großen Festivals an. Mit dem damit verbundenen Auftragswerk nehme ich mich einer kompositorischen Aufgabe an, die ich schon seit längerer Zeit in mir trage: ein mehrheitlich ruhiges Stück für Orchester zu schreiben, welches fähig sein soll, sich mit meinen beiden Orchesterwerken Boost und Core zu einer schlüssigen Trilogie zu vereinen.

Gesprächpartnerin: Marie Luise Maintz

aus: takte 2/2008

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