Porträtaufnahme von Dieter Ammann

Dieter Ammann

Biographie

Dieter Ammann wurde 1962 in Aarau geboren. Er wuchs in einem sehr musikalischen Elternhaus auf. Nach der Matura studierte er Schulmusik/Dirigieren (Luzern) und absolvierte parallel dazu eine Ausbildung an der Swiss Jazz School Bern. Die 1980er und frühen 90er-Jahre waren geprägt von europaweiter Konzerttätigkeit und Aufnahmen im Bereich Jazz/improvisierte Musik, mit so unterschiedlichen Künstlern wie Eddie Harris (CD Yeah, you right) oder Udo Lindenberg.

Es folgte ein Studium in Theorie/Komposition an der Musikakademie Basel (Roland Moser, Detlev Müller-Siemens) mit Kursen bei Witold Lutoslawski, Wolfgang Rihm, Dieter Schnebel und Niccolo Castiglioni.
Im Alter von 30 Jahren erfolgte die Hinwendung zur Komposition. Bedingt durch seine skrupulöse, sich langsam vortastende Arbeitsweise kann die Entstehungszeit eines Auftragswerks zwei Jahre und länger betragen. Für seine Kammermusik- und Orchesterwerke erhielt er zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen, darunter Werkbeiträge des Aargauer Kuratoriums, des Kantons Luzern, das Franz Liszt-Stipendium der „Weimar Kulturhauptstadt Europas“-Stiftung, den Hauptpreis der IBLA-Foundation New York (in honor of L. Berio) und des „Young composers in Europe“-Wettbewerbs (Leipzig), den Ernst von Siemens Förderpreis für Komposition oder den Schweizer Musikpreis sowie den AZ-Medienpreis für Kultur. 2026 wurde er mit dem OPUS KLASSIK als „Komponist des Jahres“ ausgezeichnet, wobei sein Orchesterwerk „glut“ die Fachjury überzeugen konnte.

Masterclasses führten ihn unter anderem an die Hochschulen Köln, Weimar, Karlsruhe, St. Petersburg, New York University, Rosario oder La Plata. Als gefragter Dozent ist er etwa an der Internationalen Impuls Academy Graz oder, zusammen mit Wolfgang Rihm, am Composers Seminar der Lucerne Festival Academy tätig und leitet eine Kompositionsklasse an der Hochschule Luzern-Musik.

Einladungen als Composer-in-Residence erhielt Ammann zu Festivals wie das Davos Festival „Young artists in Concert“, zum Festival Les muséiques, zum Lucerne Festival, zu den Wittener Tage für neue Kammermusik, den Sommerlichen Musiktage Hitzacker, dem ReMusica Festival St. Petersburg, dem Tongyeong International Music Festival oder dem Weywuying Festival.

Unter den Interpreten seiner Werke befinden sich nebst den renommierten Schweizer Orchestern (Tonhalle, Philharmonia Zürich, Luzern, Basel, Bern, Suisse Romande) Klangkörper wie das Boston Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Philharmonia London, Helsinki Philharmonic, Mariinsky Symphony, Münchner Philharmoniker, Wiener Symphoniker, Münchner Kammerorchester, DSO Berlin, WDR, Lucerne Festival Contemporary Orchestra, die Ensembles Intercontemporain, Klangforum Wien, Ensemble Modern Orchestra, Quatuor Diotima, Mondrian Ensemble, ensemble recherche, dirigiert von Pierre Boulez, George Benjamin, Jonathan Nott, Baldur Brönnimann, Sylvain Cambreling, James Gaffigan, Valery Gergiev, Pablo Heras-Casado, Gergely Madaras, Susanna Mälkki, Sakari Oramo, Matthias Pintscher, Emilio Pomarico, David Robertson, Peter Rundel, Michael Sanderling, Alexander Shelley, Markus Stenz, Bas Wigers, Mario Venzago u.v.a.

Seine Solostücke und -konzerte werden von Künstler:innen wie Carolin Widmann, Andreas Haefliger, Michael Barenboim, Tabea Zimmermann, Nils Mönkemeyer, Maximilian Hornung u.a. interpretiert.
Ammanns Werke werden verlegt vom Bärenreiter-Verlag und der Swiss Music Edition SME/musinfo. Neben der Professur in Luzern doziert er an der Hochschule der Künste Bern.

  • 1962am 17. Mai in Aarau geboren
    Erster Klavierunterricht im Vorschulalter, später auf autodidaktischem Weg Trompete. Während des Gymnasiums (nebst Klavier) auch Gitarre.
    ab 1982Studium an der Akademie für Schul- und Kirchenmusik Luzern zur Erlangung der Diplome Schulmusik I und II (Schwerpunktfach: Dirigieren) parallel dazu
    1983-84Jazzschule Bern (allgemeine Abteilung)
    1986Aufenthalt in Berlin als freischaffender Musiker (v.a. improvisierte Musik)
    1988-92Studium für Theorie und Komposition an der Musikakademie Basel
    ab 1991Beginn der Kompositionstätigkeit, Kurse bei W. Rihm, W. Lutoslawski, D. Schnebel, N. Castiglioni
    Förderungspreis des Aargauer Kuratoriums
    1993Werkbeitrag des Aargauer Kuratoriums
    1995Erstpreisträger für die Schweiz am Wettbewerb „Young composers in Europe“, Leipzig (Studienaufenthalt, verbunden mit Präsentationskonzerten im Gewandhaus)
    1996Hauptpreis am „International Competition for Composers“ (in honor of Luciano Berio) der IBLA-Foundation New York
    Werkbeitrag durch Stadt und Kanton Luzern
    Projektbeitrag des Aargauer Kuratoriums
    1997Erster Preis beim internationalen Kompositionswettbewerb „Symposium NRW für Neue Musik“ im Rahmen des Festivals „Niederrheinischer Herbst“
    1998Werkbeitrag des Aargauer Kuratoriums
    Gewinner des Franz Liszt-Stipendiums der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ und der Weimar 1999 Kulturstadt Europa GmbH (6-monatiger Kompositionsaufenthalt mit Konzerten)
    1999Second Level Award beim „International Competition for Composers“ der IBLA-Foundation New York
    2001Werkbeitrag des Aargauer Kuratoriums
    2003Composer-in-residence beim 18. Internationalen Musik Festival Davos (CH)
    Atelieraufenthalt Berlin des Aargauer Kuratoriums
    Werkpreis der Stadt Zofingen
    Anerkennungspreis der M. + C. Dienemann-Stiftung
    2004Werkbeitrag durch Stadt und Kanton Luzern
    2007Werkbeitrag des Aargauer Kuratoriums
    2008Verleihung des Förderpreises für Komposition der Ernst von Siemens Musikstiftung München
    2009Composer in residence beim Festival les muséiques Basel
    2010Composer in residence beim Lucerne Festival
    2013Composer in residence bei den Wittener Tagen für neue Kammermusikund bei den Sommerlichen Musiktagen Hitzacker
    2015Composer in residence beim Festival reMusic in St. Petersburg.
    2016Porträtkonzert beim Philharmonia Orchestra London
    2026Verleihung OPUS KLASSIK in der Kategorie „Komponist*in des Jahres“ für „glut - music for orchestra“
    2026/27Creative Chair, Tonhalle Zürich
  • „Das ist ein ausserordentliches (extraordinaire) Stück Musik ……..“.
    [Probenbesuch von „Gehörte Form – Hommages“)
    Pierre Boulez

    „Achtet man nicht auf einzelne wenn auch noch so gelungene Klangbilder, sondern auf Übergänge, die Kontrastdramaturgie der Abschnittsfolge und vor allem auf grossformale Entwicklungen, erkennt man die Eigenständigkeit dieses Komponisten. Einerseits wirkt die dichte Montage kontrastierender Abschnitte nicht programmmusikalisch konsequent, eben nicht erzählerisch, denn erst durch die Abstraktion auf das musikalisch Strukturelle wird die Form verständlich. Andererseits provozieren die Kontraste der Abschnittsfolge strukturelle Fragen, die man versucht ist, im Rekurs aufs Aussermusikalische assoziativ zu beantworten. Diese Ambivalenz ist für das Formkonzept des Streichtrios substantiell und es ist erstaunlich, wie konsequent Dieter Ammann es verfolgt. Hinzu kommt die ungemein musikantische Ader des Komponisten: Die Partitur ist voller verbaler Spielanweisungen, die verdeutlichen, wofür die Notenschrift zu abstrakt erscheint. Diese Nähe zur ausführenden Handlung ist als notwendiges Komplement spekulativer Abstraktion für einen Komponisten unabdingbar. Geltendes inividuell zu artikulieren, bedeutet Neues schaffen. Diese Haltung, die auch provokante Innovation einschliessen kann, erscheint mir bei einem jungen Komponisten, dem im heutigen Konzertbetrieb vor allem eine durch Differenz profilierte Identität seiner Schreibweise abverlangt wird, selten und wertvoll.“
    Hanspeter Kyburz

    stimmen
    „Keine Sekunde Leerlauf, alles lebendig und im schönsten Sinne durchwachsen von Kraftlinien, die auch dann kräftig bleiben und ununterbrochen, wenn sie in widersprüchliche Richtungen zielen. Deine kompositorische Integrationsfähigkeit lässt den Faden nie reissen und zwingt die Ambivalenzen in einen Strom, ohne dass sie verloren gehen!
    Energien, auch die gegenstrebigen, werden in Deiner Musik ausgehalten, sie verschwinden nicht in Redundanzen. Alles ist so frisch!…..“
    Wolfgang Rihm

    „Von der improvisierten Musik herkommend, erreicht Ammann nach seriellen Anfängen einen freieren, intuitiveren Personalstil in einer energetisch und emotional ‚geladenen‘ Tonsprache.“

    „…die Behandlung der Parameter steht dabei immer im Dienst des unmittelbaren, fast physischen Ausdrucks.“
    Urs Mattenberger

Aufführungen

Komponist VornameKomponist NachnameTitelDatumOrchesterDirigentOrtInfo
ThomasAdèsKlavierkonzert24.06.2026Kirill Gerstein (Klavier), Tonhalle OrchesterThomas AdèsZürich (Tonhalle)
Wolfgang AmadeusMozartIdomeneo 26.06.2026Chelsea Opera GroupPaul WingfieldLondon (Cadogan Hall)konzertant
FrankMartin Messe für zwei vierstimmige Chöre a cappella26.06.2026Rias KammerchorPeter DijkstraBerlin (Philharmonie)
Peter I.TschaikowskyEugen Onegin26.06.2026Lidiya Yankovskaya, Regie: Max Webster Hampshire (The Grange Festival) Premiere
Wolfgang AmadeusMozartDie Entführung aus dem Serail 27.06.2026Thomas Guggeis, Regie: Andrea MosesBerlin (Staatsoper Unter den Linden)Premiere
HectorBerliozMesse solennelle02.07.2026Orchestre National de FranceDinis SousaParis (Maison de la Radio)
Wolfgang AmadeusMozartDie Zauberflöte 02.07.2026Leonardo Garcia Alarcon, Regie: Clément CogitoreAix-en-Provence (Festival)Premiere
AntonBruckner8. Symphonie 04.07.2026Bruckner Orchester LinzPhilippe JordanSt. Florian (Basilika)
Georg FriedrichHändelAriodante04.07.2026Les Talens LyriquesChristophe RoussetBeaune (Festival Baroque, Hotel-Dieu)
Wolfgang AmadeusMozartIdomeneo 04.07.2026Felix Pätzold, Regie: Immo KaramanKielPremiere
GeorgeBenjaminThree Consorts 05.07.2026Deutsches Symphonie-Orchester BerlinKent NaganoKlütz (Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, Schloss Bothmer)weitere Termine
JosephHaydnDie Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz05.07.2026Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-PfalzMichael FrancisSpeyer (Gedächtniskirche)
GiselherKlebeMignon07.07.2026Detmolder KammerorchesterStanley DoddsDetmold (Hochschule für Musik)
CamilleSaint-SaënsSamson et Dalila09.07.2026Slovenian PhilharmonicCharles DutoitCankarjev (Gallus Hall)
AntonBruckner7. Symphonie 12.07.2026Staatsorchester StuttgartLothar ZagrosekStuttgart (Liederhalle)
PhilippMaintzchoralvorspiel XXXVII (so nimm denn meine hände) für orgel solo15.07.2026Martin Kückes (Orgel)Templin (Maria-Magdalenen-Kirche)
HectorBerliozHarold en Italie16.07.2026Schleswig-Holstein Festival OrchestraAndrew ManzeElmshorn (Stiftung Schleswig-Holstein Musik Festival)weitere Termine
Wolfgang AmadeusMozartLa clemenza di Tito19.07.2026Adrian Kelly, Regie: Corina WürschBuxton (International Festival, Opera House)Premiere
PhilippMaintzjag die hunde zurück!20.07.2026Accademia Musicale ChigianaLorenzo DonatiSiena (Chiesa della Ss. Annunziata)
Antonín DvorákRusalka23.07.2026Petr Popelka, Regie: Martin Kusej München (Münchner Opernfestspiele)
Georges BizetCarmen, Fassung 187425.07.2026Fabio Luisi, Regie: Denis KriefMartina Franca (Festival della Valle d’Itria)Szenische Erstaufführung
PhilippMaintzchoralvorspiel XXXVII (so nimm denn meine hände) für orgel solo25.07.2026Martin Kückes (Orgel)Berlin-Spandau (Orgelsommer, St. Nikolai)
VáclavTrojanMärchen26.07.2026Heilbronner Sinfonie Orchester Alois SeidlmeierHeilbronn (Deutschhof)
GeorgesBizetCarmen26.07.2026Teodor Currentzis, Regie: Gabriela Carrizo (Peeping Tom)Salzburg (Salzburger Festspiele)Premiere
JulesMassenetWerther29.07.2026Orchestre Symphonique de la MonnaieAlain AltinogluSalzburg (Salzburger Festspiele)
DieterAmmannViola Concerto „No templates“31.07.2026Studierende der OrchesterakademieLü JiaLugano (Palazzo dei Congressi)
Wolfgang AmadeusMozartDie Entführung aus dem Serail31.07.2026Evan Rogister, Regie: David McVicarGlyndebourne (Opera Festival)Premiere
L'ubicaCekovskaMaison de la musique en sept périodes01.08.2026Japan Century Symphony OrchestraAndreas OttensamerOsaka
Wolfgang AmadeusMozartLucio Silla 02.08.2026Mozarteum OrchesterAdam FischerSalzburg (Salzburger Festspiele)
Christoph WillibaldGluckLe Cinesi06.08.2026Collegium 1704Václav LuksCesky Krumlov
JosephHaydnDie Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz06.08.2026Le Concert d’AstréeEmmanuelle HaimSalzburg (Salzburger Festspiele)
Wolfgang AmadeusMozartCosì fan tutte06.08.2026Joana Mallwitz, Regie: Christof LoySalzburg (Salzburger Festspiele)Premiere
PhilippMaintzchoralvorspiel XXXII (wer nur den lieben gott läßt walten) für orgel solo06.08.2026Angela Metzger (Orgel)München (St. Markus)
Andreas N.TarkmannWesendonck-Lieder 06.08.2026Catherine Foster (Sopran), Mitglieder des Orchesters der Bayreuther FestspieleBayreuth (Festspiele)auch 11.8.
Andreas N.TarkmannKönig Karotte09.08.2026Mattias Straub (Erzähler), Orchester der Sommeroperette HeldrittManuel Grund Bad Rodach (Waldbühne Heldritt)
AntonioSalieriCublai, gran Kan de’ Tartari10.08.2026Orchestra Haydn di Bolzano e TrentoStefano FerrarioLa Villa (Badia)weitere Termine
HectorBerliozGrande messe des morts15.08.2026London Symphony Chorus and OrchestraAntonio PappanoLondon (Proms, Royal Albert Hall)
Wolfgang AmadeusMozartDon Giovanni16.08.2026Scottish Chamber Chorus and OrchestraMaxim EmelyanychevEdinburgh (International Festival)konzertant
HectorBerliozGrande messe des morts19.08.2026Orquesta Sinfónica de BilbaoErick NielsenSan Sebastian (Musikfestivals Quincena, Auditorio Kursaal)
Wolfgang AmadeusMozartLa finta giardiniera20.08.2026Massimiliano Caldi, Regie: Maria SartovaDanzigPremiere
Bernd AloisZimmermannMusique pour les soupers du Roi Ubu20.08.2026Orchestre des Jardins MusicauxValentin ReymondCernier
BeatFurrerCanti della tenebra, In mia vita da vuolp, Presto für Flöte und Klavier, Melodie für Flöte solo, Studie für Klavier 26.08.2026Elina Viluma-Helling (Sopran), Cornelia Sonnleithner (Alt), Maria Iazia (Klavier) Iva Kovac (Flöte), Gerald Preinfalk (Saxophon)St. Gallen (Burg Gallenstein)
JosephHaydnOrlando Paladino28.08.2026Orfeo OrchestraGyörgy VashegyiFertöd (Haydneum Concerts at Esterházy Palace)
GustavHolstThe Planets03.09.2026Robert Schumann PhilharmonieBenjamin ReinersChemnitz
AntonBruckner4. Sinfonie08.09.2026Staatskapelle BerlinChristian ThielemannBerlin (Philharmonie)
JulesMassenetWerther11.09.2026Marie Jacquot, Regie: Tatjana GürbacaKopenhagenPremiere
Andreas N.TarkmannDie verlorene Melodie 12.09.2026Staatskapelle WeimarWeimar (Theaterfest)
Wolfgang AmadeusMozartCosì fan tutte12.09.2026Sebastiano Rolli, Regie: Martina GredlerMagdeburg Premiere
RégisCampoLumen13.09.2026Stuttgarter PhilharmonikerRémy BallotBesancon (Festival de Musique)
ArnoldBaxOctet14.09.2026Ensemble KontrapunkteGottfried RablWien (Musikverein)
DieterAmmannBoost16.09.2026Tonhalle-OrchesterPaavo JärviZürich (Tonhalle)
AntonBruckner3. Symphonie 17.09.2026Essener PhilharmonikerBertrand de BillyEssen (Alfried Krupp Saal)
AntonBruckner8. Symphonie in c-Moll17.09.2026GewandhausorchesterHerbert BlomstedtLeipzig (Gewandhaus)
AmbroiseThomasHamlet18.09.2026Michael Schönwandt, Regie: Krzysztof WarlikowskiParis (Opéra National)Premiere
Wolfgang AmadeusMozartLe nozze di Figaro 19.09.2026Andreas Wolf, Regie: Walter SutcliffeHallePremiere
DieterAmmannViolation20.09.2026Tonhalle-OrchesterJulia KurzydlakZürich (Tonhalle)
PhilippMaintzchoralvorspiel XXXIII (in te domine speravi) für orgel solo20.09.2026Roman Summereder (Orgel)Hannover (Nazarethkirche)Uraufführung
PhilippMaintzchoralvorspiel VIII (aus tiefer not schrei ich zu dir), choralvorspiel XL (te deum laudamus), choralvorspiel XLVI (morgenglanz der ewigkeit), choralvorspiel LI (kyrie XI, orbis factor) 23.09.2026Hansjörg Albrecht (Orgel)Berlin (Kathedrale St. Hedwig)Uraufführung (choralvorspiel VIII)
Wolfgang AmadeusMozartMitridate, re di Ponto 24.09.2026Riccardo Frizza, Regie: Claus GuthNeapelPremiere
MatthiasPintscherNUR25.09.2026Inon Barnatan (Klavier), Utah SymphonyMatthias PintscherSalt Lake City (Abravanel Hall)
JulesMassenetWerther25.09.2026Jakub Przybicien, Regie: Matthias KitterNordhausenPremiere
HectorBerliozLa damnation de Faust26.09.2026Johannes Braun, Regie: Lorenzo FioroniGrazPremiere
AndersHillborgCello Concerto26.09.2026Ariel Barnes (Cello), Nürnberger SymphonikerJonathan DarlingtonNürnberg (Meistersingerhalle)
ArnoldBaxTintagel28.09.2026Philharmonisches Orchester Bremerhaven Florian LudwigBremerhaven
BeatFurrerNeues Werk (2026) für Bass & Baritonsaxophon29.09.2026Ulfried Staber (Bass), Gerald Preinfalk (Saxophon)Graz (BRUSEUM/Neue Galerie)Uraufführung
Wolfgang AmadeusMozartZaide 30.09.2026George Petrou, Regie: David HermannFrankfurt Premiere
AntonBruckner7. Symphonie 01.10.2026Orchestra del Maggio Musicale FiorentinoThomas GuggeisFlorenz
GeorgesBizetCarmen02.10.2026Michele Spotti, Regie: Ted HuffmanValencia (Palau de les Arts Reina Sofia)Premiere
Wolfgang AmadeusMozartIdomeneo 02.10.2026Stefan Vladar, Regie: Philipp HimmelmannLübeckPremiere
UmbertoGiordanoAndrea Chénier03.10.2026Daniel Cohen, Regie: John DewDarmstadtPremiere
Pietro Mascagni /Ruggero LeoncavalloCavalleria Rusticana/Pagliacci31.10.2026Sebastian Lang-Lessing, Regie: Pamela RecinellaHagenPremiere
Peter I.TschaikowskyDornröschen03.10.2026Carlo Benedetto Cimento, Choreographie: Reginaldo OliveiraPalermo (Teatro Massimo)Premiere
FromentalHalévyLa Juive03.10.2026Felix Bender, Regie: Marco StormanUlmPremiere
AntonBruckner5. Symphonie04.10.2026Philharmonia OrchestraHerbert BlomstedtLondon (Royal Festival Hall)
JacquesOffenbachLes contes d'Hoffmann04.10.2026Sejoon Park, Regie: Anja NicklichKoblenzPremiere
Georg FriedrichHändelAlcina06.10.2026Emmanuelle Haim, Regie: Ewelina MarciniakLillePremiere
Georg FriedrichHändelAlcina09.10.2026Orchestra del Teatro di San CarloIván López-ReynosoNeapel (Teatro di San Carlo)konzertant
Peter I.TschaikowskyEugen Onegin10.10.2026Hermes Helfricht, Regie: Matthew FerraroErfurtPremiere
BeatFurrerHerbst, Enigma I-IV & VI, Enigma V, Enigma VII10.10.2026Cantando AdmontCordula BürgiGraz (Helmut List Halle)
Georg FriedrichHändelOttone11.10.2026Václav Luks, Regie: Jetske MijnssenFrankfurtPremiere
Wolfgang AmadeusMozartLe nozze di Figaro 13.10.2026Pablo González, Regie: Marta PazosTeneriffa (Auditorio)Premiere
Georg FriedrichHändelRiccardo primo, Re d’Inghilterra 14.10.2026Les Arts FlorissantsPaul AgnewDijon (Grand Théatre)weitere Termine
Andrea LorenzoScartazziniTorso - Epitaph14.10.2026Luzerner SinfonieorchesterMichael SanderlingLuzern (KKL)
BeatFurrerKonzert für Klavier und Orchester15.10.2026Orquesta Sinfónica de l'ESMUCErnest Martínez IzquierdoBarcelona
GioachinoRossiniIl barbiere di Siviglia15.10.2026Chloe Rooke, Regie: Annabel ArdenGlyndebourne (Opera Festival)Premiere
Bernd AloisZimmermannMusique pour les soupers du Roi Ubu15.10.2026Münchner PhilharmonikerAnja BihlmaierMünchen (Isarphilharmonie)
TorstenRaschDie wunderbaren Jahre16.10.2026Christian Blex, Regie: Nora BusseniusDresden Premiere
AntonBruckner5. Symphonie17.10.2026NHK Symphony OrchestraHerbert BlomstedtTokio (NHK Hall)
SalvatoreSciarrinoGesualdo senza parole17.10.2026Klangforum WienSylvain CambrelingWien (Konzerthaus)
CharlesGounodFaust20.10.2026Daniele Rustioni, Regie: Johannes ErathMailand (Teatro alla Scala)Premiere
DieterAmmannViola Concerto „No templates“23.10.2026John Stulz (Viola), Ensemble IntercontemporainGeorge BenjaminParis (Cité de la Musique)
Georg FriedrichHändelFlavio, Re de’ Langobardi 23.10.2026Camille Delaforge, Regie: Max Emanuel CencicMeiningenPremiere
Georg FriedrichHändelSemele 23.10.2026Orchestra e Coro del Teatro Comunale di Bologna Rinaldo AlessandriniBologna (Teatro Comunale)konzertant
BenjaminBrittenYoung Apollo24.10.2026Camerata BernAlexander MelnikovBern (Zentrum Paul Klee)
Georg FriedrichHändelSemele 25.10.2026Orchestra, Coro e Tecnici del Teatro Comunale di BolognaRinaldo AlessandriniBologna (Teatro Comunale)
MatthiasPintscherAssonanza29.10.2026Leila Josefowicz (Violine), Royal Stockholm Philharmonic OrchestraMatthias PintscherStockholm (Konserthuset)
Wolfgang AmadeusMozartCosì fan tutte29.10.2026N.N., Regie: Nilufar K. MünzingKlagenfurtPremiere
DieterAmmannglut30.10.2026Estonian National Symphony OrchestraGregor A. MayrhoferTallinn (Festival AFEKT, Estonia Concert Hall)
Peter I.TschaikowskySchwanensee31.10.2026Camerata Louis SpohrBernd Peter FugelsangDüsseldorf
Pietro Mascagni /Ruggero LeoncavalloCavalleria Rusticana/Pagliacci31.10.2026N.N., Regie: Neil Barry MossCoburg (Globe)Premiere
DieterAmmannTurn04.11.2026Tonhalle-OrchesterPaavo JärviZürich (Tonhalle)auchh 5./6.11.
AntonBruckner4. Symphonie 06.11.2026Bamberger SymphonikerJakub HrusaBrünn (Janácek-Theater)
DieterAmmannglut06.11.2026hr-SinfonieorchesterMichael WendebergFrankfurt (hr-Sendesaal)
DieterAmmannCore07.11.2026Orchester der Oper ZürichGianandrea NosedaZürich
PietroMascagniCavalleria rusticana07.11.2026N.N., Regie: Gil MehmertDortmundPremiere
BeatFurrerNeues Werk für Orchester07.11.2026Kammerorchester BaselPierre BleuseBasel (Stadtcasino)Uraufführung
EngelbertHumperdinckDornröschen08.11.2026Markus Poschner, Regie: Anna BergmannHamburgPremiere
CamilleSaint-SaënsSamson et Dalila13.11.2026Orchestra e Coro del Teatro Comunale di Bologna Roberto AbbadoBologna (Teatro Comunale)konzertant
BeatFurrera sei voci für 6 Frauenstimmen15.11.2026Cantando AdmontCordula BürgiMünchendorf (Musiksalon)
VáclavTrojanMärchen21.11.2026Kammerorchester der TUDFlorian StreichGroß-Umstadt (Stadthalle)
Wolfgang AmadeusMozartLe nozze di Figaro 21.11.2026Hélio Vida, Regie: Nikolaus HabjanBaselPremiere
HenryPurcellDido and Aeneas21.11.2026Daniel Geiss, Regie: Seollyeon Konwitschny-LeeNeubrandenburgPremiere
Wolfgang AmadeusMozartLa clemenza di Tito 25.11.2026David McVicar, Regie: Bettina NeuhausBarcelonaPremiere
Andreas N.TarkmannDas Mondklavier29.11.2026Beate Bachmann (Sprecherin), Jenaer PhilharmonieJena (Volkshaus)
GiovanniSollimaVioloncelles, vibrez!02.12.2026Münchener KammerorchesterDaniel GiglbergerOlten (Stadttheater)
DieterAmmannGehörte Form - Hommages03.12.2026Trio SolaZürich (Tonhalle)
GeorgesBizetLes Pêcheurs de Perles05.12.2026Marc Minkowski, Regie: Pierre-André WeitzParis (Théâtre des Champs-Elysées)Premiere
Andreas N.TarkmannNils Holgersson06.12.2026Erik Brünner (Sprecher), Jugendsinfonieorchester Heinrich-Schütz-Konservatorium, Dresdner PhilharmonieMilko KerstenDresden (Kulturpalast)auch 7.12.
FrancescoFilideiI funerali dell’anarchico Serantini09.12.2026Studierende der HochschuleKarlsruhe (Hochschule für Musik)
MiroslavSrnkaSmoke10.12.2026NHK Symphony OrchestraMaxim EmelyanychevTokio (Suntory Hall)Uraufführung
Wolfgang AmadeusMozartLe nozze di Figaro 13.12.2026Marta Gardoli?ska, Regie: Jetske MijnssenGenf (Bâtiment des Forces Motrices)Premiere
HectorBerliozLa damnation de Faust17.12.2026Bertrand de Billy, Regie: Lydia SteierWien (Staatsoper)Premiere
JulesMassenetThaïs18.12.2026Pierre Dumoussaud, Regie: Olivier Lepelletier-LeedsLiègePremiere
Georg FriedrichHändelFlavio, Re de’ Langobardi19.12.2026Karsten Januschke, Regie: Tilmann KöhlerFrankfurt (Bockenheimer Depot)Premiere
GeorgesBizetLes Pêcheurs de Perles29.12.2026Victorien Vanoosten, Regie: Mirabelle OrdinaireToulon (Zénith)Premiere
Wolfgang AmadeusMozartThamos, König in Ägypten12.01.2027Orchestra Haydn di Bolzano e TrentoChristophe RoussetBozen (Auditorium)
DieterAmmannglut13.01.2027Tonhalle-OrchesterGianandrea NosedaZürich (Tonhalle)
JulesMassenetWerther16.01.2027Staatsphilharmonie NürnbergChristopher SchumannNürnberg konzertant
RichardDubugnonSonnenring20.01.2027Janine Jansen (Violine), Orchestre de la Suisse RomandeJonathan NottGenf (Victoria Hall)
Georg FriedrichHändelOrlando 21.01.2027Daniel Espasa, Regie: Rafael VillalobosTeneriffa (Auditorio)Premiere
AntonínDvorákRusalka23.01.2027Francesco Angelico, Regie: Vasily Barkhatov GrazPremiere
Christoph WillibaldGluckOrfeo ed Euridice 23.01.2027Eric Staiger, Regie: Aileen SchneiderOldenburgPremiere
GiovanniSollimaWhen We Were Trees24.01.2027Südwestdeutsches KammerorchesterReto BieriPforzheim (CongressCentrum)
Andreas N.TarkmannNils Holgersson24.01.2027Oliver Moumouris (Sprecher), Württembergische PhilharmonieHans GrischkatReutlingen (Georgensaal)
Christoph WillibaldGluckOrfeo ed Euridice 29.01.2027Aapo Häkkinen, Regie: Tero SaarinenHelsinkiPremiere
EngelbertHumperdinckKönigskinder30.01.2027Justus Thorau, Regie: Angela DenokeSaarbrückenPremiere
AntonínDvorákRusalka30.01.2027Jiri Rozen, Regie: Caterina Cianfarini BaselPremiere
Wolfgang AmadeusMozartLe nozze di Figaro 30.01.2027Marco Alibrando, Regie: Marcos DarbyshireWeimar Premiere
Jean-PhilippeRameauLes Boréades05.02.2027Camille Delaforge, Regie: R.B. SchlatherDublin (Irish National Opera)Premiere
Wolfgang AmadeusMozartCosì fan tutte10.02.2027Thomas Hengelbrock, Regie: Netia JonesLondon (Royal Opera House)Premiere
JulesMassenetWerther11.02.2027Nathalie Stutzmann, Regie: Robert CarsenParis (Opéra National)Premiere
Wolfgang AmadeusMozartDon Giovanni 13.02.2027Gerrit Prießnitz, Regie: Anna-Sophie MahlerInnsbruckPremiere
CamilleSaint-SaënsSamson et Dalila13.02.2027Marco Comin, Regie: N.N.BremerhavenPremiere
Ludwig vanBeethovenFidelio17.02.2027Kensho Watanabe, Regie: Ruth KnightGlasgowPremiere
Georg FriedrichHändelRinaldo22.02.2027Philippe Jaroussky, Regie: Valentina CarrascoParis (Théâtre des Champs-Elysées)Premiere
OliverLeithLast Days27.02.2027André de Ridder, Friedrike Scheunchen, Regie: Lily KuhlmannFreiburgPremiere
BedrichSmetanaDie verkaufte Braut28.02.2027Tómas Netopil, Regie: Laurent PellyKölnPremiere
Wolfgang AmadeusMozartLe nozze di Figaro 05.03.2027Kaspar Zehnder, Regie: Joel LauwersMetzPremiere
Georg FriedrichHändelSerse 06.03.2027Clément Lonca, Regie: Lorenzo FioroniBern Premiere
AmbroiseThomasHamlet07.03.2027Seok-Won Hong, Regie: Nicola BerloffaTeneriffa (Auditorio)Premiere
BohuslavMartinuKonzert Nr. 2 für Violine und Orchester15.03.2027Kirill Kobantschenko (Violine), Sinfonia AcademicaDavid HolzingerWien (Mozartsaal)
Christoph WillibaldGluckIphigénie en Aulide20.03.2027Ivan Demidov, Regie: Jochen BiganzoliAugsburgPremiere

Werke


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    In Vorbereitung / Auf Anfrage

    Streichquartett Nr. 2 „Distanzenquartett“
    (2009). BA 11047. 15 Minuten, in Vorbereitung
    Uraufführung 23. April 2009, Basel: Amar Quartett

  • Weitere Werke werden von der Schweizer Musikedition / Edition suisse musicale vertrieben
    www.musicedition.ch

    Under Pressure (1996/97) 16′
    für Tenorsaxophon und Orchester (3 (1. auch Picc), 3, Engl-Hn, 3 (1. auch B-Klar), 2, Co-Fag – 4,3,2, B-Pos, 0 – Schlgz(2-3) – Hfe – min: 8,6,4,4,2)

    Musica Empirica (1997/98) 9′
    für Sopransaxophon und Gitarre

    Gehörte Form – Hommages (1998) 18′
    für Violine, Bratsche und Violoncello

    Grooves- fitting one (2000) 15′
    für Kammerorchester (1 (Picc),2,0,2 (Co-Fag) – 2,0,0,0 – Schlgz (1-2) – 6,5,4,4,2)

    A (tenir) tension (2002/03) 11’30
    Trio für Flöte, Marimbaphon, Vibraphon und Perkussionsinstrumente

    Geborstener Satz (2003) 12’30
    für Streichquartett

    d’accord(s) (2004) 7’30
    für 2 Altsaxophone

    Eine Minute für zwei Fanfaren (2004) 1’30
    für Horn in F

    Après le silence (2005) 18′
    für Violine, Violoncello und Klavier

    stellen (2008) 10’30
    für 14 Streicher (8,3,2,1)

    Venite a dire / Raummusik (2010) 14′
    2 Madrigale
    für 12 Solostimmen (3S, 3A, 3T, 3B)

Interview


Das Ringen um Freiheit

Der Schweizer Komponist Dieter Ammann

takte: Herr Ammann, was sind die wichtigsten Kompositionen Ihrer bisherigen Zeit als Komponist? Gab es Etappen oder Zäsuren?

Ammann: Ich muss vorausschicken, dass es mir wichtig ist, einen Personalstil zu formen, natürlich nicht, um sich dann selber zu kopieren, sondern um damit einen Weg in eine selbst gewählte Richtung zu gehen. Es gibt einige Zäsuren: Die eine war nach den ersten beiden Stücken, die noch von seriellem Denken geprägt waren, „Developments“ (1993) und „piece for cello“ (1994/1998). Bei dem Cellostück sind die Tonhöhen noch sehr streng behandelt, rhythmisch und klangfarblich bin ich jedoch schon intuitiv vorgegangen. Und auch „Regard sur les traditions“ (1995) ist im Tonhöhenbereich recht erklärbar. Danach wird es immer intuitiver. In „The Freedom of Speech“ (1995/96) ist diese Freiheit bereits Programm, obwohl der Titel auch mit dem Tod meines Vaters zu tun hat. Hier habe ich zum ersten Mal den bisweilen mühsamen Weg gewählt, einen Anfang zu setzen und daraus das Folgende zu entwickeln.

Dann gibt es für mich Stücke, wo ich persönlich weitergekommen bin: Zunächst „Gehörte Form – Hommages“ (1998). Ich hatte sieben Monate Zeit, in Weimar daran zu arbeiten, das hat sich in den zeitlichen Dimensionen und der klanglichen Elaborierung dieser drei Streichinstrumente niedergeschlagen. Nächste Schritte sind wenig später „Violation“ (1998/99), wo die Beziehung zwischen Soloinstrumenten und Ensemble thematisiert wird. Dann kommen drei Orchesterstücke: bei „Boost“ (2000/01) habe ich eindeutig auf „Grooves“ (2000) Bezug genommen, und bei „Core“ (2002) nochmals auf „Boost“. Schließlich habe ich beim Klaviertrio „Après le silence“ (2004/05) in der Ausdrucksbreite noch auf größere Extreme hin gearbeitet. Diese Extreme dann unter einen Bogen zu bringen, ohne dass die Musik zerfällt, war für mich ein Schritt nach vorne.

Sie haben Begriffe benutzt wie Szenenwechsel, also theatralische Beschreibungen Ihrer Musik. Viele Komponisten nehmen literarische Werke zur Inspiration oder Werke der bildenden Kunst zur Anregung für die Struktur oder emotionale Themen. Haben Sie solche Interessen?

Musik ist für mich genau das Medium, das eben keine Inhalte außer sich selbst transportieren muss. Ich gehe daher nicht von solchen Anregungen aus. Was ich versuche, ist, meine akustische Vorstellung in eine auch für andere sinnvolle oder zumindest anregende Form zu bringen. Das sind immer rein akustische Wahrnehmungen, immanent musikalische Vorgänge.

Sie bilden in Ihrer Musik häufig extreme Spannungskontraste aus, stellen also Strukturen gegeneinander, die ein schnelles Wechselspiel etwa zwischen sehr energetischen, bewegten und sehr ruhigen Zonen ausprägen, und diese bilden sich jeweils aus äußerst komplex geschichteten Einzelereignissen.

Das hängt mit meiner persönlichen Vorliebe beim Gestalten von musikalischen Verläufen zusammen. Ich bin ein ungeduldiger Mensch und mag es, wenn ich überrascht werde, wenn ich als Hörer in ein Wechselbad von musikalischen Zuständen geworfen und mitgerissen werde. Mir ist Musik, die mich quasi „anspringt”, lieber als solche, bei der ich erst siebzehn Türen öffnen muss, bevor ich herausfinde, was die Substanz sein könnte, worauf es dem Komponisten ankommt. Das heißt, wenn ich schreibe, dann immer auch für mich als Hörer, das ist natürlich ein subjektives Verfahren. Jedenfalls hat diese Neugier und Ungeduld dazu geführt, dass ich, außer in zwei frühen Stücken, aufgehört habe, in langen Verläufen mit einem Material zu arbeiten und dieses in all seinen Facetten zu beleuchten. Vielmehr ist es so, dass gewisse Regeln, die ich mir gebe, bisweilen auch nur ganz punktuell wirken. Wenn ich merke, dass ich gerne einen anderen Hörverlauf hätte, nehme ich mir die Freiheit und modifiziere oder verlasse das Material. Das war einerseits eine Befreiung, andererseits kann man sich nicht hinter der akademischen Kunst der Materialbehandlung und Beleuchtung verstecken, weil man völlig subjektiv für sich entscheiden muss, ob diese Idee, diese Klangfindung standhält und sich legitimiert. Das sind extrem subjektiv gefundene Klangvorstellungen, die ich dann versuche, in einem dieser Vorstellung möglichst adäquatem Material wiederzugeben. Deshalb gibt es auch tonale Gebilde bei mir, manchmal Räume, in denen Dissonanz und Konsonanz unterscheidbar sind, dann aber auch wieder das chromatische Total bis in die Vierteltönigkeit hinein, die ich dann als nochmalige Differenzierung der Chromatik verstehe. Ich finde es spannend, etwas Direktes, Haptisches zu gestalten und trotzdem musikalische Tiefe im räumlichen Sinn zu schaffen, so dass man bei einem wiederholten Hören Dinge dahinter wahrnehmen kann, die einem beim ersten Mal gar nicht bewusst waren.

Dieter Ammann während eines Interviews 2022

Sie werden wahrscheinlich oft auf den Jazz angesprochen. Es ist klar, dass Improvisieren etwas anderes ist als Komponieren. Trotzdem wird es ja Bezüge geben.

Über meinen Vater, der Naturwissenschaftler und Lehrer war, ging mein Zugang zur Musik zunächst über das Spielen nach Gehör. Auch heute noch ist für mich die Notation immer ein Umweg. Ich denke, ich habe ein anderes Verhältnis zu rhythmischen Aspekten. Es gab und gibt viel neue Musik, in der es nie pulsen darf. Ich weiß nicht mehr genau, von welchem Komponisten der Ausspruch stammt, das Problem der neuen Musik sei, dass alles Rubato sei. Zudem spürt man meinen Ursprung als interpretierender Musiker in der Instrumentalbehandlung. Mir ist wichtig, dass spieltechnisch zwar Grenzen ausgelotet werden, dass die Musik aber immer realisierbar bleibt. Dabei habe ich gemerkt, dass sich meine Intention mit den technischen Möglichkeiten des Instruments sehr oft trifft, dass ich irgendwie aus dem Instrument heraus fühle und denke. Ein Wesenszug aus der improvisierten Musik ist auch, dass sie fast in jedem Moment dialogisch angelegt ist. Dieses Actio-reactio-Prinzip versuche ich auch in der komponierten Musik zwischen Instrumentalgruppen oder einzelnen Instrumenten zu realisieren, vielleicht wirkt es auch deshalb so lebendig.

Schließlich eine ganz allgemeine Frage: Müssen Sie komponieren?

Ich habe ja tatsächlich wegen einer Anfrage von außen begonnen zu komponieren. Ich würde niemals ohne Auftrag schreiben. Aber: Wenn ich komponiere, bin ich so damit beschäftigt, dass über Monate ein Stück wie ein roter Faden durch mein Leben läuft. Es kann sein, dass ich mich ein Jahr lang mit fünfzehn Minuten Musik beschäftige. Ich bin auch ein Familienmensch, liebe meine Kinder und meine Frau sehr, und unterrichte gerne. Aber wenn ich komponiere, kann ich mich monatelang in eine Klangwelt begeben, und das brauche ich mittlerweile extrem. Es kommt noch etwas hinzu: Ich habe das Gefühl, dass ich in der komponierten Musik etwas zu sagen habe, das andere nicht oder anders sagen würden. Ich glaube, dass ich da etwas leisten kann, wofür sich eine lebenslange Beschäftigung lohnt. Ich war ja, bis ich dreißig war, nicht Komponist im engeren Sinn, sondern Interpret, Instrumentalist. Natürlich habe ich in Bands Stücke entwickelt, aber das ist etwas ganz anderes als das „akademische Komponieren”. Hier gibt es etwas Eigenständiges, das wirklich etwas von mir enthält, etwas Persönliches.

Ein kurzer Ausblick: Was sind Ihre nächsten Projekte?

Ich werde in den nächsten Monaten mit der Komposition meines zweiten Streichquartetts beschäftigt sein. Daneben wird meine Unterrichtstätigkeit an den Musikhochschulen Luzern und Bern viel Zeit und Energie absorbieren. Im Frühling 2009 werde ich einer Einladung Schweizer Festivals „les muséiques” als Composer in residence nachkommen und mich dort auch als Musiker im Freefunk-Bereich präsentieren. Für 2010 steht eine weitere Einladung eines großen Festivals an. Mit dem damit verbundenen Auftragswerk nehme ich mich einer kompositorischen Aufgabe an, die ich schon seit längerer Zeit in mir trage: ein mehrheitlich ruhiges Stück für Orchester zu schreiben, welches fähig sein soll, sich mit meinen beiden Orchesterwerken Boost und Core zu einer schlüssigen Trilogie zu vereinen.

Gesprächpartnerin: Marie Luise Maintz

aus: takte 2/2008

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