Visionärer Blick
Beat Furrer wird siebzig
Kaum ein anderer Komponist der Gegenwart hat einen solch unverwechselbaren Personalstil entwickelt wie Beat Furrer. Nicht erst im siebzigsten Lebensjahr erntet er die Früchte seiner künstlerischen Konsequenz.
Am 6. Dezember 2024 feierte Beat Furrer, der in der Schweiz geborene und in Österreich lebende Komponist, seinen 70. Geburtstag. Für ihn ist Komponieren ein „Instrument der Welterfahrung, der Welterkenntnis, der Welt um mich herum: Wahrnehmung immer wieder zu thematisieren, Klang, die Faszination am Klang selbst“. Als Schöpfer einer unverwechselbaren Musiksprache schärft Furrer den visionären Blick und komponiert zeitlos gültige Werke. Doch ist sein Schaffen stets dem Schritt ins Unbekannte gewidmet, es gleicht einem fortwährenden Forschen.
Als Komponist, Dirigent, Denker, Lehrer ist Furrer einer der prägendsten Künstler unserer Zeit. So gründete er 1975 das Klangforum Wien und entwickelte es als langjähriger Künstlerischer Leiter und Dirigent. Von 1991 bis 2023 war er Ordentlicher Professor für Komposition an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Graz. Ende der 1990er gründete er gemeinsam mit Ernst Kovacic „impuls“ als internationale Ensemble- und Komponistenakademie für zeitgenössische Musik in Graz. 2004 erhielt er den Musikpreis der Stadt Wien, seit 2005 ist er Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. 2006 wurde er für das Hörtheater „Fama“ mit dem Goldenen Löwen bei der Biennale Venedig ausgezeichnet. 2014 erhielt er den Großen Österreichischen Staatspreis. 2018 wurde ihm für sein Lebenswerk der Musikpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung verliehen. Zu seinen bekanntesten Musiktheaterwerken zählen neben „Begehren“ und „FAMA“, das Musiktheater „Wüstenbuch“ (2010) sowie die beiden Opern „la bianca notte/die helle nacht“ (2015) und „Violetter Schnee“ (2019).
Das ganze Jahr 2024 war bereits von Retrospektiven und Uraufführungen durchzogen. Ein Höhepunkt war die Premiere des Orchesterstücks „Lichtung“ am 31. August beim Lucerne Festival unter Leitung des Komponisten.
Am 6. Dezember 2024 findet in Graz ein Geburtstagkonzert zu Ehren Furrers statt. Neben Werken von Monteverdi und Donatoni singen und spielen die Ensembles „Cantando Admont“ und „Grazer Schallfeld“ in einem Programm voller Querbezüge Furrers „Intorno al bianco“ für Klarinettenquintett und „Akusmata“ für acht Stimmen und acht Instrumente.
Auch 2025 stehen wieder große Ereignisse an, vor allem die Uraufführung der Oper „Das große Feuer“ am 30. März 2025 am Opernhaus Zürich in der Regie von Tatjana Gürbaca. Thomas Stangl hat dafür den Roman „Eisejuaz“ der argentinischen Schriftstellerin Sara Gallardo für die Bühne bearbeitet.
Mit der Jubiläumsbox „Furrer 70“ hat das Klangforum Wien ein Vermächtnis zu Lebzeiten des Komponisten zusammengestellt. Furrer hat 18 Schlüsselwerke ausgewählt und mit dem Klangforum Wien Neuaufnahmen erarbeitet und selbst dirigiert. Die exklusive Medienbox enthält sechs CDs, drei Videos und zwei Bücher. Sie erscheint am 19. November 2024 und wird im Anschluss an die konzertante Aufführung von Furrers „Begehren“ beim Festival „Wien Modern“ präsentiert. / (Foto: EvS, Manu Theobald)