Geschichte von Entfremdung und kolonialer Gewalt

Geschichte von Entfremdung und kolonialer Gewalt
Beat Furrers neue Oper „DAS GROSSE FEUER“ wird in Zürich uraufgeführt

Beat Furrers jüngste Oper „DAS GROSSE FEUER“, die am 23. März 2025 im Opernhaus Zürich uraufgeführt wird, greift den Roman „Eisejuaz“ der argentinischen Schriftstellerin Sara Gallardo (1931–1988) auf, die 1960 im Norden Argentiniens die Lebensumstände eines indigenen Stamms recherchierte und ihre Gespräche mit dem Indio Lisandro Vega, genannt Eisejuaz, zur Grundlage eines großartigen Sprachkunstwerks machte. Auf dem 1971 veröffentlichten Roman basiert das Libretto des österreichischen Schriftstellers Thomas Stangl.

In der Oper wird Eisejuaz‘ Geschichte in einem inneren Monolog, in Zeitsprüngen, überlagerten Realitätsebenen und Träumen erzählt. Nachdem seine Familie vor einer Hungersnot aus den Wäldern in die Stadt der Weißen geflüchtet ist, wird er in einer christlichen Mission erzogen. Er arbeitet dort in einem Sägewerk, also an der Zerstörung seines Lebensraums. Nach dem frühen Tod seiner Frau verlässt er Mission und Sägewerk. In der Einsicht, dass „el monte“ zerstört ist, die Bewohner gestorben oder schutzlos den Interessen der Weißen ausgeliefert sind, ist „Eisejuaz“ die Geschichte von Entfremdung und kolonialer Gewalt.

„Eisejuaz“ ist ein Roman der inneren Stimmen und Sprachklänge. Aus der Erzählweise der Vielstimmigkeit entwickelt Furrer seine musikalische Struktur. In seiner Oper verbinden sich Instrumental- und Vokalklang nahezu vollständig: „Das Orchester ist Resonanzraum der Stimmen oder verschmilzt mit einem Gewebe von Stimmen in den Tuttiszenen: es singt, schreit oder flüstert, etwa im Chor der Arbeiter im Sägewerk.“ Die gesamte Oper ist aus einem chorischen Prinzip entwickelt: So wird das zwölfköpfige Vokalensemble zum Ausgangspunkt der Gestaltung. „Es gibt die chorischen Momente, die von solistischen Protagonisten überlagert werden, es gibt aber auch sehr weit aufgefächerte polyphone Strukturen: flüsternd, rufend, schreiend, die vom Orchester ergänzt werden.“

Die musikalische Leitung der Uraufführung liegt in den Händen von Beat Furrer selbst. Neben Mitgliedern der Philharmonia Zürich wird das österreichische Vokalensemble Cantando Admont zu hören sein. Für die Inszenierung konnte das Zürcher Opernhaus die Regisseurin Tatjana Gürbaca gewinnen. (Foto: Manu Theobald)

Beat Furrer: DAS GROSSE FEUER. Oper nach dem Roman Eisejuaz von Sara Gallardo. Libretto von Thomas Stangl. Auftragswerk des Opernhauses Zürich
Uraufführung: 23.3.2025, Cantando Admont, Philharmonia Zürich, Musikalische Leitung: Beat Furrer, Inszenierung: Tatjana Gürbaca, weitere Aufführungen: 25., 28., 30.3., 4., 6., 11.4.2025
www.opernhaus.ch

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